Beschreibung
„Ecce Homo“ Ein Christus in Fetisch?
Vielleicht geschieht das nur durch die schwule Brille gesehen. Aber durch diese Brille schaue ich auf euch zurück – und mache das sichtbar, was ihr vielleicht nur angedeutet habt. Als schwuler Fetischist bin ich der Eitelkeit hoffnungslos verfallen. Ich bin in ihr verloren – aber diese Hoffnungslosigkeit ist eine Einladung: aus sicherer Distanz etwas zu sehen, gegen das sich das eigene Auge vielleicht noch gewehrt hatte.
Die Eitelkeit gehört zum Fetisch. Sie ist die Lust am Gelingen eines Ausdrucks – an der Wirklichkeit gewordenen Idee von sich selbst. Und diese Lust ist dieselbe, aus der sich Kunst speist. Auch sie liebt die Pose, die Komposition, das Gelingen.
„Ecce Homo“ zeigt keine christliche Figur – aber es zeigt eine Andacht. Die Aufgeladenheit der Darstellung, der Symbolik, der Form – das ist die Verbindung zwischen Kunst und Fetisch. In beiden liegt die Lust am Anschauen, an der Verdichtung, an der Erhöhung. Das ist ihr gemeinsamer Nexus: die Eitelkeit.


